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Sportowa

 
Sport-Straße
 
 
Friedrich-Ludwig-Jahn-Weg (Stadtplan 1931)
Birkenallee *14
 (vom Stadion bis Crossener Straße/Chaussee)
   
Am Hängebusch (Stadtplan 1934) (vom Stadion in Richtung Nord-Ost)

 

Die Straße Sportowa folgt dem Straßenverlauf zweier deutschnamiger Straßen der Dammvorstadt. Von der ehem. Crossener Chaussee (1 Maja)/Ecke Vorwerksweg (Folwarczna) trug sie bis zum Stadion den Namen Friedrich-Ludwig-Jahn-Weg, benannt nach dem Turnvater Jahn. Weiter verläuft sie auf der unmittelbar vor dem Stadioneingang abzweigenden ehem. Straße Am Hängebusch, welche zur Wohnsiedlung Hängebusch (im Rahmen des Siedlungsbaus ab 1934 entstanden) und schließlich zur Gemarkung Kunersdorf führte. Die Bezeichnung “Hängebusch” lehnt sich an den östlich der Straße mit Büschen bewachsenen Hang an. Der Hügel selbst war eher unter der Bezeichnung Kleisthöhe bekannt.

Sportowa, 2001
Quelle: Archiv Eckard Reiß


Der aktuelle wie auch der frühere deutsche Straßenname sind bezeichnend: Diese Straße durchzieht das gesamte Sportstättenareal, die Krone aller baulichen Neuschöpfungen der Dammvorstadt in der ersten Hälfte des 20. Jh.
Der Bau von Sportanlagen war erstmals im September 1914 angekündigt worden. Aus der Not der Zeit heraus, als „Notstandsarbeit“ ist diese herrliche Anlage entstanden, die im Frühjahr 1927 eingeweiht wurde. Rund 12 Jahre währte der Bau dieser Sportstätten zwischen dem Stadtgut Rotvorwerk (
Folwarczna) und dem Dammfriedhof. Die ersten Erdarbeiten wurden 1915 von russischen Kriegsgefangenen ausgeführt. Der damalige Stadtbaurat Otto Morgenschweis nutzte bei seiner Arbeit die Pläne für das Berliner Grunewaldstadion - das Schwimmbecken wurde somit ohne Überdachung in die Anlage einbezogen und am 18.07.1926 eingeweiht.


Ostmarkstadion, vor 1945
Quelle: Frankfurt (Oder) - Porträt einer Brückenstadt
(siehe Quellen- und Literaturverzeichnis)
 

Mit wesentlich geringerem Aufwand als beim Stadion konnte ab Herbst 1922 auf 36 Morgen Ackerland am Rotvorwerk ein Sportplatz errichtet werden, der den Leichtathleten und Ballsportlern vor allem gute Trainings-, aber auch Wettkampfbedingungen sicherte. Ab 1927/28 konnten Radfahrer das flache Bahnoval nutzen. Zu den Sportstätten gehörten auch eine Sprunganlage und eine Turnieranlage. Das Stadion wurde durch eine große Achse mit den vorgelagerten Sportanlagen verbunden. Dadurch ist eine Sportanlage geschaffen worden, die einmalig in der weiteren Umgebung Frankfurts, auch des heutigen Słubices ist. Auf dem Westteil der Sportstätten und auf dem Areal weiter westlich bis hin zum Schützenhaus fand vom 14. bis 22. Juni 1924 die Ostmarkschau für Gewerbe und Landwirtschaft (OGELA) statt. Ein Teil der Sportanlage diente ein weiteres Mal im August 1937 der sog. Kurmarkschau, nachdem bereits im Dezember 1935 ein Tagungs- und Empfangssaal das Sportstättenensemble weiter vervollständigt hatte. *5

Der Teich zwischen den vier Übungsfeldern, die anschließende Brücke über die Straße Am Hängebusch (Sportowa) und die Weggestaltung mit den Rodelbahnen oberhalb des Stadions sind noch heute sichtbare Merkmale. Das Terrain hat den Zweiten Weltkrieg in seiner ursprünglichen Grundkonzeption überstanden. Lediglich der westliche Teil des OGELA-Platzes bis zum Teich ist verschwunden. Nur die Fundamente der Eingangsbauten sind noch sichtbar. *13
 

Verbindungsbrücke vom Ostmarkstadion zu den OGELA Sportfeldern über die Straße Sportowa (ehem. Am Hängebusch), 1967
Quelle: Archiv Eckard Reiß

Rechts und links die Übungsbahnen zwischen Ostmarkstadion und OGELA Sportfelder von der Straße Sportowa (ehem. Am Hängebusch) gesehen, 1967
Quelle: Archiv Eckard Reiß

Nach der Festsetzung der Staatsgrenze an der Oder verblieb das Stadion, das für eine Stadt mit 100.000 Einwohnern gebaut war, auf der poln. Seite in Słubice. Die Architektur und seine Einbeziehung in einen Waldpark machen es einmalig. Erst 1966 gab es erste Instandsetzungsarbeiten. Eigentlich begannen sie 1971 mit der Übergabe des Stadions an das Lubusker Zentrum für Sport, Tourismus und Erholung in Zielona Góra. 1975 wurde das neu gebaute Sporthotel mit 116 Übernachtungsplätzen übergeben. Jedoch erst die Durchführung großer Veranstaltungen im Zusammenhang mit den „Tage(n) der Freundschaft der Jugend Polens und der DDR vom 28. bis 30. Mai 1977“ führte dazu, dass Ende 1976/ Anfang 1977 das Stadion instandgesetzt wurde. Die Arbeiten galten vor allem dem Zuschauerbereich und dem allgemeinen Aussehen der Anlage. Im Rahmen der Vorbereitungen Słubices zum Programm „Strategie Frankfurt (O) - Słubice 2003“ haben der Stadtvorstand und die Stadtverordnetenversammlung Słubice Infrastrukturmaßnahmen beschlossen. So wird u.a. das Stadion modernisiert. Das Projekt für die Modernisierung des Stadions sieht u.a. eine Änderung der Geometrie der Bahnen des Stadions sowie eine Neuanlage der Leichtathletikanlagen vor. Außerdem werden zwei Fußballfelder (das Hauptfeld und ein Übungsfeld) erneuert. *12

Jahn, Friedrich Ludwig, genannt Turnvater Jahn, Pädagoge und Politiker, geb. 11.08.1778 Lanz (bei Perleberg), gest. 15.10.1852 Freyburg (Unstrut); Gründer der dt. Turnbewegung. J.s Bedeutung liegt besonders in der Entwicklung des Turnens. 1811 richtete er in der Berliner Hasenheide den ersten Turnplatz ein. Sein Turnen umfasste vielfältige Leibesübungen, zu denen Fechten, Schwimmen, Laufen, Spiel und Tanz gehörten. Turnen sollte volkstümlich gestaltet sein, viele Menschen ansprechen und einen Beitrag zur Freiheit und Einheit Deutschlands leisten. So geriet J. nach 1815 in Gegensatz zum restaurativen Regime. Er war Mitgründer der Deutschen Burschenschaft und wurde als angeblicher geistiger Urheber der Ermordung A. von Kotzebues (1818) in Haft genommen. Nach Schließung der Turnplätze und Beschränkungen der Turnbewegung durch die Karlsbader Beschlüsse wurde J. der Prozess gemacht, der 1825 mit einem Freispruch endete; dennoch blieb er unter Polizeiaufsicht und stand bis 1840 unter dem Verbot der politischen Betätigung. 1848 wurde J. in die Deutsche Nationalversammlung gewählt. Sein gemeinsam mit Eiselen verfasstes Buch „Die Deutsche Turnkunst“ (1816) ist ein klassisches Werk der Turnliteratur. Die Turnsprache J.s. hat sich z.T. bis heute erhalten. *3