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Piłsudskiego Józefa

 

Jozef-Pilsudski-Straße

Swierczewskiego Karola, gen. (Stadtplan 1980)
Schwiebuser Straße (Adressbuch 1930/31)
Frauendorfer Straße (Adressbuch 1903)


Diese von der Wojska Polskiego (ehem. Sonnenburger Straße) nach Osten abzweigende Straße führt zum
Bohaterów, plac (ehem. Neuer Markt).
Bis in den 90er Jahren des 20. Jh. war sie Zufahrtsstraße zu einem Kasernenkomplex. Heute befinden sich auf diesem Gelände Studentenwohnungen des Collegium Polonicum (Kościuszki Tadeusza). Dazu wurden vor allem Soldatenunterkünfte rekonstruiert und modern ausgestattet.

Piłsudskiego Józefa, 2001 - ehem. Kasernenhof in der Schwiebuser Straße 16-23
Der im Bild rechte Gebäudeteil ist ein solcher Neubau aus dem Jahre 1998. Es ist das Hauptgebäude des „Domy Studenckie“ (Studentenhaus).
Quelle: Archiv Eckard Reiß

 

Als diese Straße vor nunmehr 100 Jahren nach dem Ort nördlich der Dammvorstadt in Richtung Küstrin benannt wurde, war diese Straße auch westlich der Sonnenburger Straße (Wojska Polskiego) so benannt. Heute heißt diese Straße Chopina Fryderyka. Die ehemals sehr lange Frauendorfer Straße (Frauendorf, heute: Pamięcin) wurde schließlich in ihrem östlichen Teil in Schwiebuser Straße umbenannt.

Schwiebus, poln. Świebodzin, Stadt in Polen, im Osten der ehem. Neumark; Erholungs- und Kureinrichtungen; Heimatmuseum, Bau von thermo-technischen Anlagen und Geräten, Möbelfabrik, Textil- und Nahrungsmittelindustrie. - Die Wehrmauern aus dem 14.-15. Jh. sind z.T. erhalten; spätgotische Pfarrkirche aus dem 15. Jh. (im 16./17. Jh. verändert) mit neugotischer Fassade (1857); das Rathaus, urspr. gotisch, wurde im 16. und 19. Jh. umgebaut. - Das 1319 erstmals erwähnte S. wurde 1742 preußisch. *3

Swierczewski, Karol, genannt General Walter, geb. 1897, gest. 28.03.1947 (ermordet), poln. Arbeiterführer, diente in der Roten Armee (1918-1936), der Freiwilligendivision in Spanien (1936-1938), als Oberbefehlshaber der 2. Polnischen Armee (1944-1945) und war ab 1946 Stellvertretender Verteidigungsminister Polens. *4

Piłsudski, Józef Klemens, poln. Politiker, Marschall von Polen (seit 1920), geb. 05.12.1867 Zułowo (heute Sulowo, bei Wilna), gest. 12.05.1935 Warschau; entstammte einer ursprünglich litauisch-poln. Adelsfamilie. 1887 wurde er wegen konspirativer Tätigkeit für fünf Jahre nach Sibirien verbannt. 1893 war P. Mitbegründer der Poln. Sozialistischen Partei (PPS), in der er eine führende Rolle spielte. 1900 in Lodz verhaftet, konnte er 1901 entfliehen. Seit 1902 wirkte er in Galizien. Programmatisch stellte er den Kampf um die Unabhängigkeit Polens vor die soziale Revolution. 1906 übernahm er die Führung der „revolutionären Fraktion“ der PPS. Seit 1908 bildete er in Galizien bewaffnete Verbände aus, die 1910 als „Schützenverband“ offiziell anerkannt wurden. Als „Kommandant“ genoss P., ein militärischer Autodidakt, bei den „Schützen“ uneingeschränkte Autorität und bereitete den Kampf um die Wiedererrichtung eines unabhängigen poln. Staates an der Seite der Mittelmächte vor. - Am 06.08.1914 stieß er nach Russisch-Polen vor, konnte aber den erhofften Aufstand nicht entfachen. Im Rahmen der mit Unterstützung Österreichs gebildeten poln. Legionen führte er 1914-1916 die 1. Brigade, baute aber auch - zunächst geheim - die Polnische Militärorganisation (POW) auf. Nach der Proklamation des Königreichs Polen durch die Mittelmächte (05.11.1916) wurde er Mitglied des Staatsrats, aus dem er im Juli 1917 unter Protest austrat. Seit dem 22.07.1917 wegen seiner Forderung nach einer unabhängigen poln. Regierung in Magdeburg in Festungshaft, blieb er aufgrund seiner Kompromisslosigkeit eine polit. Autorität und wurde sofort nach seiner Rückkehr am 11.11.1918 vom Regentschaftsrat zum Oberbefehlshaber ernannt. In dieser Funktion fiel ihm kurz darauf als „Staatschef“ (Naczelnik) auch die polit. Gewalt zu, die das im Januar 1919 gewählte Parlament am 20.02.1919 bestätigte. Ohne eigene Parteibasis arbeitete er mit Koalitionsregierungen und versuchte, seinen Plan einer osteuropäischen Föderation unter poln. Führung durch militärische Vorstöße nach Osten zu verwirklichen. Dem Vormarsch bis Kiew (Mai 1920) folgte aber der bolschewistische Gegenschlag bis vor Warschau (Juli/August 1920). Als Oberbefehlshaber der poln. Streitkräfte konnte er dank seiner strategischen Fähigkeiten die drohende militärische Niederlage in einen Sieg wenden („Wunder an der Weichsel“) und im Frieden von Riga (1921) die poln. Ostgrenze um etwa 250 km vorschieben. Er unterstützte - insgeheim - die Eroberung des Wilnagebietes (1920).
Enttäuscht von Parteien und Parlament kandidierte P. nicht für die Wahl zum Staatspräsident und legte 1923 auch das Amt des Generalstabschefs nieder. Seit Juli 1923 lebte P. als Privatmann in Sulejówek bei Warschau, behielt aber Einfluss auf das Heer. Im Mai 1926 führte er einen Staatsstreich durch und errichtete ein autoritäres System, in dem jedoch weder die Verfassung aufgehoben noch das Parlament beseitigt wurde. Er begnügte sich meist mit dem Amt des Kriegs-Ministers und des Generalinspekteurs und war nur von Oktober 1926 bis Juni 1928 und von August bis Dezember 1930 auch Ministerpräsident. Er schreckte vor Verfassungsbrüchen und vor Gewalttaten gegenüber seinen parlamentarischen Gegnern nicht zurück, stützte sich aber im Allgemeinen auf das Heer und seit 1928 auf einen „Unparteiischen Block“ im Parlament. Erst unmittelbar vor seinem Tode wurde die von ihm inspirierte autoritäre „Aprilverfassung“ verkündet. Außenpolitisch leitete P. die Politik des Aufbaus Polens zur Führungsmacht in Ostmitteleuropa und der Annäherung an Deutschland ein, die durch das Nichtangriffsabkommen von 1934 besiegelt wurde. *3