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Mickiewicza Adama

 

Adam-Mickiewicz-Straße
 
 
An der Seidenfabrik (Adressbuch 1897)

nörd. Teil

Roßstraße (Adressbuch 1846)

südl. Teil


 
Adressbuch Frankfurt/Oder 1940/41: „An der Seidenfabrik - Nach der unter der Regierung Friedrichs des Großen in den Jahren 1766 - 1769 erbauten Seidenfabrik.“
Die Straße An der Seidenfabrik führte vom Prinzenufer (
Nadodrzańska) bis zur Roßstraße. Heute jedoch dehnt sich die Mickiewicza Adama in südliche Richtung entlang der vormaligen Roßstraße bis zur Kościuszki Tadeusza, der ehem. Blumenstraße.
 

Mickiewicza Adama,  2000/2001
(ehem. Straßen An der Seidenfabrik
und Roßstraße)
Quelle: Archiv Eckard Reiß

 

Der südliche Teil der ehem. Roßstraße ist durch den Gebäudekomplex des Collegium Polonicum überbaut. An dieser Stelle besteht also keine Verbindung mehr zwischen der Kościuszki Tadeusza (der ehem. Blumenstraße) und der 1 Maja (der ehem. Crossener Straße).

Friedrich II., der Große, hatte im Mai 1766 für ein Haus zur Seidenfabrikation 17.000 Taler „allergnädigst accordirt“. Als Bauplatz wurde das Grundstück des alten Lazaretts auf der sog. Brückenschanze bestimmt. Im Auftrage des Königs wurde das Gebäude von seinem Oberbaudirektor Boumann errichtet, so dass noch im Jahre 1768 das dritte Stockwerk des Hauptgebäudes fertiggestellt wurde. Im Sommer 1769 konnte der Bau von den Fabrikanten Beske, Chanony und Moreau bezogen werden. Moreau und Chanony schieden im Laufe der Zeit aus. Friedrich Wilhelm II., ließ am 12. März 1791 dem Kaufmann Beske durch Kabinettsorder das Haus als Eigentum zusprechen. Nach dessen Tode verkaufte die Witwe die Seidenfabrik im Jahre 1799 an den Gastwirt Haupt. Wenige Jahre darauf wurden in dem Gebäude Mietswohnungen eingerichtet. Einer der ersten Mieter war der im Dezember 1815 nach Frankfurt berufene Regierungs- und Schulrat von Türk. 1861 wohnte kurze Zeit in der Seidenfabrik Eduard von Simson, der spätere Reichsregierungspräsident. In der linken Hälfte waren später Läden untergebracht.
Die ehem. Seidenfabrik bot ein lehrreiches Beispiel dafür, wie in der friderizianischen Epoche selbst einfachere Nutzbauten mit angemessenem architektonischen Schmuck versehen wurden. Bis Ende des Zweiten Weltkrieges war dieses Gebäude das dominante Bauwerk in der Dammvorstadt. *9 Es überstand den Zweiten Weltkrieg ohne nennenswerte Schäden. Das Gebäude wurde erst 1952 unzerstört, aber ruiniert abgebrochen. *14


Seidenfabrik, um 1910
Quelle:
Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg (siehe Quellen- und Literaturverzeichnis)


Mickiewicz, Adam, poln. Dichter, geb. 24.12.1798 Zaosie (heute zu Nowogrudok (Weißrussland), gest. 26.11.1855 Konstantinopel; Studium in Wilna; 1819-1823 Lehrer in Kaunas; 1824 wegen illegaler polit. Tätigkeit aus Litauen ausgewiesen, hielt er sich bis 1828 in Russland auf (u.a. in Moskau, wo er mit A. Puschkin zusammentraf). 1829 reiste er über Deutschland (Besuch bei Goethe in Weimar) nach Italien und 1830/31 während des poln. Novemberaufstands an die Grenzen von Kongresspolen. Nach dem Scheitern des Aufstands ging er mit der „großen Emigration“ nach Paris, war 1840-1844 Professor für slawische Literaturen am Collége de France (wegen Verbreitung polit. und religiöser Ideen des Mystizisten A. Towiańsk suspendiert). 1848 versuchte er in Italien, eine poln. Legion gegen Österreich, während des Krimkrieges (1853/54-1856) eine poln. Legion gegen Russland aufzustellen. Er reiste nach Konstantinopel, wo er an Cholera starb.
M. gilt als Begründer und hervorragendster Vertreter der poln. Romantik. 1820 schrieb er die „Oda do młodości“ (gedruckt 1827; dt. „Ode an die Jugend“) ein Gedicht in klassizistischer Odenform mit den Gedanken der Aufklärung. 1822 erschien der erste Band der „Poezje“ („Ballady i romanse“, dt. „Balladen und Romanzen“) mit dem programmatischen Gedicht „Romantycznóć“, 1823 ein zweiter Band, der die dramatischen Fragmente „Dziady“ (Teil 2 und 4, der unvollendete Teil 1 erschien postum 1860) und die poetische Erzählung „Grażyna“ (1823; dt.) enthielt; beides waren romantische Programm- und Musterwerke. Höhepunkt des lyrischen Schaffens waren die „Sonety krymskie“ (1826; dt. „Krim-Sonette“), die sich durch künstlerische Invention, sprachliche Präzision und gedankliche Tiefe auszeichnen. In dem historischen Epos „Konrad Wallenrod“ (1828; dt.) über den Kampf der Litauer gegen den Dt. Orden formuliert er die Erfüllung der patriotischen Pflicht, die sogar moralische Prinzipien außer Acht lassen darf, als oberste Maxime eines Polen. Nach dem poln. Aufstand erschienen die beiden größten Werke M.s: Der dritte Teil des Dramas „Dziady“ (1832; dt. „Todtenfeier“) ist eine poetische Begründung der prophetischen Rolle des romantischen Dichters und eine religiös motivierte Erklärung der poln. Niederlage; in dem als Nationalepos geltenden „Pan Tadeusz“ (1834; dt. „Herr Thaddäus oder der letzte Eintritt in Litthauen“) zeichnet er ein heiteres Bild des alten poln. Kleinadels. Danach veröffentlichte M. vor allem publizistische Texte. Seine literarischen, politischen und philosophischen Ansichten entwickelte er auch in den Pariser Vorlesungen („Cours de la littérature slave“, 2 Bde. 1845).
M.s Bedeutung geht weit über die Literatur hinaus. Schon zu Lebzeiten übernahm er die Rolle eines geistigen Führers für ein Volk ohne Staat und trug mit seinem Leben und Werk dazu bei, während der Teilungen bei den Polen das Bewusstsein nationaler Zusammengehörigkeit zu stärken. *3
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