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Adressbuch Frankfurt/Oder 1940/41: „An der Seidenfabrik - Nach der unter
der Regierung Friedrichs des Großen in den Jahren 1766 - 1769 erbauten
Seidenfabrik.“
Die Straße An der Seidenfabrik führte vom Prinzenufer (Nadodrzańska)
bis zur Roßstraße. Heute jedoch dehnt sich die Mickiewicza Adama in
südliche Richtung entlang der vormaligen Roßstraße bis zur
Kościuszki Tadeusza, der ehem. Blumenstraße.
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Mickiewicza Adama,
2000/2001
(ehem. Straßen An der Seidenfabrik
und Roßstraße)
Quelle: Archiv
Eckard Reiß
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Der
südliche Teil der ehem. Roßstraße ist durch den Gebäudekomplex des
Collegium Polonicum überbaut. An dieser Stelle besteht also keine
Verbindung mehr zwischen der
Kościuszki Tadeusza (der ehem.
Blumenstraße) und der
1 Maja (der ehem. Crossener Straße).
Friedrich II., der Große, hatte im Mai 1766 für ein Haus zur
Seidenfabrikation 17.000 Taler „allergnädigst accordirt“. Als Bauplatz
wurde das Grundstück des alten Lazaretts auf der sog. Brückenschanze
bestimmt. Im Auftrage des Königs wurde das Gebäude von seinem
Oberbaudirektor Boumann errichtet, so dass noch im Jahre 1768 das dritte
Stockwerk des Hauptgebäudes fertiggestellt wurde. Im Sommer 1769 konnte
der Bau von den Fabrikanten Beske, Chanony und Moreau bezogen werden.
Moreau und Chanony schieden im Laufe der Zeit aus. Friedrich Wilhelm
II., ließ am 12. März 1791 dem Kaufmann Beske durch Kabinettsorder das
Haus als Eigentum zusprechen. Nach dessen Tode verkaufte die Witwe die
Seidenfabrik im Jahre 1799 an den Gastwirt Haupt. Wenige Jahre darauf
wurden in dem Gebäude Mietswohnungen eingerichtet. Einer der ersten
Mieter war der im Dezember 1815 nach Frankfurt berufene Regierungs- und
Schulrat von Türk. 1861 wohnte kurze Zeit in der Seidenfabrik Eduard von
Simson, der spätere Reichsregierungspräsident. In der linken Hälfte
waren später Läden untergebracht.
Die ehem. Seidenfabrik bot ein lehrreiches Beispiel dafür, wie in der
friderizianischen Epoche selbst einfachere Nutzbauten mit angemessenem
architektonischen Schmuck versehen wurden. Bis Ende des Zweiten
Weltkrieges war dieses Gebäude das dominante Bauwerk in der
Dammvorstadt. *9 Es überstand den Zweiten Weltkrieg ohne nennenswerte
Schäden. Das Gebäude wurde erst 1952 unzerstört, aber ruiniert
abgebrochen. *14

Seidenfabrik, um 1910
Quelle:
Die Kunstdenkmäler der Provinz
Brandenburg
(siehe
Quellen- und Literaturverzeichnis)
Mickiewicz, Adam, poln. Dichter, geb. 24.12.1798 Zaosie (heute zu
Nowogrudok (Weißrussland), gest. 26.11.1855 Konstantinopel; Studium in
Wilna; 1819-1823 Lehrer in Kaunas; 1824 wegen illegaler polit. Tätigkeit
aus Litauen ausgewiesen, hielt er sich bis 1828 in Russland auf (u.a. in
Moskau, wo er mit A. Puschkin zusammentraf). 1829 reiste er über
Deutschland (Besuch bei Goethe in Weimar) nach Italien und 1830/31
während des poln. Novemberaufstands an die Grenzen von Kongresspolen.
Nach dem Scheitern des Aufstands ging er mit der „großen Emigration“
nach Paris, war 1840-1844 Professor für slawische Literaturen am Collége
de France (wegen Verbreitung polit. und religiöser Ideen des Mystizisten
A. Towiańsk suspendiert). 1848 versuchte er in Italien, eine poln.
Legion gegen Österreich, während des Krimkrieges (1853/54-1856) eine
poln. Legion gegen Russland aufzustellen. Er reiste nach Konstantinopel,
wo er an Cholera starb.
M. gilt als Begründer und hervorragendster Vertreter der poln. Romantik.
1820 schrieb er die „Oda do młodości“ (gedruckt 1827; dt. „Ode an die
Jugend“) ein Gedicht in klassizistischer Odenform mit den Gedanken der
Aufklärung. 1822 erschien der erste Band der „Poezje“ („Ballady i
romanse“, dt. „Balladen und Romanzen“) mit dem programmatischen Gedicht
„Romantycznóć“, 1823 ein zweiter Band, der die dramatischen Fragmente „Dziady“
(Teil 2 und 4, der unvollendete Teil 1 erschien postum 1860) und die
poetische Erzählung „Grażyna“ (1823; dt.) enthielt; beides waren
romantische Programm- und Musterwerke. Höhepunkt des lyrischen Schaffens
waren die „Sonety krymskie“ (1826; dt. „Krim-Sonette“), die sich durch
künstlerische Invention, sprachliche Präzision und gedankliche Tiefe
auszeichnen. In dem historischen Epos „Konrad Wallenrod“ (1828; dt.)
über den Kampf der Litauer gegen den Dt. Orden formuliert er die
Erfüllung der patriotischen Pflicht, die sogar moralische Prinzipien
außer Acht lassen darf, als oberste Maxime eines Polen. Nach dem poln.
Aufstand erschienen die beiden größten Werke M.s: Der dritte Teil des
Dramas „Dziady“ (1832; dt. „Todtenfeier“) ist eine poetische Begründung
der prophetischen Rolle des romantischen Dichters und eine religiös
motivierte Erklärung der poln. Niederlage; in dem als Nationalepos
geltenden „Pan Tadeusz“ (1834; dt. „Herr Thaddäus oder der letzte
Eintritt in Litthauen“) zeichnet er ein heiteres Bild des alten poln.
Kleinadels. Danach veröffentlichte M. vor allem publizistische Texte.
Seine literarischen, politischen und philosophischen Ansichten
entwickelte er auch in den Pariser Vorlesungen („Cours de la littérature
slave“, 2 Bde. 1845).
M.s Bedeutung geht weit über die Literatur hinaus. Schon zu Lebzeiten
übernahm er die Rolle eines geistigen Führers für ein Volk ohne Staat
und trug mit seinem Leben und Werk dazu bei, während der Teilungen bei
den Polen das Bewusstsein nationaler Zusammengehörigkeit zu stärken. *3
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