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Wildenbruchstraße

1910

Zentrum, Obere Stadt
15230

Diese Straße befindet sich im sog. Landhausviertel und ist Verbindungsstraße zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Luisenstraße.

Ernst von Wildenbruch

Ernst von Wildenbruch

Wildenbruch, Ernst von, Jurist, Schriftsteller, geb. 03.02.1845 Beirut, gest. 15.01.1909 Berlin, beerdigt in Weimar.
W.s Vater, war der Sohn des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen. Er ging als preußischer Generalkonsul nach Syrien, wo W. geboren wurde. W. wuchs in Berlin, Athen und Konstantinopel auf, war nach der Kadettenzeit 1863-67 Gardeleutnant in Potsdam und studierte seit 1867 Rechtswissenschaften in Berlin. 1871 kam er als Referendar nach Frankfurt (Oder) und erhielt 1876 eine Stelle als Richter in Eberswalde, 1877 in Berlin. Im selben Jahr wechselte er ins Auswärtige Amt, quittierte 1900 aus gesundheitlichen Gründen seine Beamtentätigkeit und ließ sich 1907 in Weimar nieder.

W. war Dramatiker der Wilhelminischen Zeit. Er schrieb historisch-patriotische Dramen (u.a. „Die Karolinger“, 1881; „Die Quitzows“, 1888). Sein Verständnis des Dramas und seine dramatische Intention legte er in dem Essay „Das deutsche Drama. Seine Entwicklung und sein gegenwärtiger Stand“ (1899) dar. W. verfasste auch Erzählungen und Lyrik mit patriotischen, teilweise sozialkritischen Themen. Er wurde zweimal mit dem Schillerpreis (1884 und 1896) und mit dem Grillparzer-Preis (1907) ausgezeichnet. 1889 verlieh ihm die Jenaer Universität das Ehrendoktorat.




In Frankfurt (Oder) wohnte W. im 1. Stock des Hinterhauses der Nummer 57 in der Großen Oderstraße. Von dort aus hatte er eine eindrucksvolle Aussicht auf die Oder, die er immer wieder beschrieb. Dieses Haus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. An der Stelle des damaligen Hauses steht heute der Häuserblock zwischen Brücke und Musikschule an der Oderpromenade. In den fünfeinhalb Jahren in dieser Stadt fand er einen stattlichen Kreis von Freunden und Bekannten. Er pflegte die Geselligkeit. Der Uhrmachermeister Balzer, ein kunstbegeisterter Handwerksmeister, der sein Geschäft Ecke Große Scharrnstraße /Breite Straße (Rosa-Luxemburg-Straße) hatte, förderte mit Gleichgesinnten – sie nannten sich „Wildenbruchianer“ – den Dichter und hielten ihm auch nach seinem Weggang die Treue. Ihr Treffpunkt war der Lienausche Weinkeller (Lienaustraße). W. setzte mit seinem Schauspiel „Meister Balzer“ dem älteren Vertrauten ein literarisches Denkmal. Auch die Erzählungen „Kindertränen“ und „Das edle Blut“ spielen hier in Frankfurt. Der Magistrat ehrt das Andenken des Dichters, indem er eine im damaligen sogenannten Landhausviertel angelegte Straße nach ihm benannte.