.

Rathenaustraße

1948

Nuhnenvorstadt
15234

Schlageterstraße, 1935
Rathenaustraße, 1924

Rathenau, Walther, Politiker, Schriftsteller, Industrieller, Staatsmann, geb. 29.09.1867 Berlin, gest. 24.06.1922 Berlin.
Aus großbürgerlicher jüdischer Familie stammend, erlebte R. als Sohn Emil R.s dessen erfolgreiche Gründung der „Allgemeinen Electricitäts-Gesellschaft“ (AEG). 1886-89 studierte er in Straßburg und Berlin Physik und Chemie bis zur Promotion. Seit 1899 war R. in leitenden Positionen für die AEG tätig, zunächst im Vorstand, 1902-07 als Geschäftsinhaber in der nahestehenden Berliner Handelsgesellschaft, seit 1904 vom Aufsichtsrat der AEG aus, dessen Vorsitzender er 1912 wurde. Er wurde engster Berater seines Vaters, aber dessen Nachfolger wurde 1915 Felix Deutsch, während R. Sondervollmachten und den Titel „Präsident der AEG“ erhielt. Politisch und ästhetisch gehörte R. zur Opposition gegen den herrschenden Wilhelminismus. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges machte er auf die unzureichende wirtschaftliche Vorbereitung des Reiches aufmerksam und leitete bis März 1915 die Kriegsrohstoffabteilung im preußischen Kriegsministerium. Als Wirtschaftssachverständiger und Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei arbeitete er 1920 in der 2. Sozialisierungskommission und nahm an der Konferenz von Spa teil. Wegen seines entspannungsfördernden Verhandlungsgeschicks und seines internationalen Ansehens wurde er im Mai 1921 Wiederaufbauminister im Kabinett Wirth und schloss im Oktober mit Frankreich das Wiesbadener Abkommen. Am 31.01.1922 wurde er zum Außenminister ernannt, um Deutschland bei der Weltwirtschaftskonferenz von Genua zu vertreten. Hier gelangen ihm keine Fortschritte in der Reparationsfrage, aber er fand sich unter Bedenken bereit, am 16.04.1922 mit Sowjetrussland in Rapollo einen bilateralen Sondervertrag abzuschließen, um Deutschland außenpolitisch mehr Handlungsfreiheit zu verschaffen. Wenn auch dieser Schritt gerade von nationaler Seite begrüßt wurde, hielt er die rechtsradikale „Organisation Consul“ nicht davon ab, ein Attentat gegen diesen ersten erfolgreichen Außenpolitiker der Weimarer Republik durchzuführen. Am 24.06.1922 wurde R. auf offener Straße ermordet.