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Infolge des Baus der „Lenné-Passagen“ an der
Karl-Marx-Straße wurde an dessen Nordseite die Straße, die bereits vorher für das an gleicher Stelle gestandene Hotel „Stadt Frankfurt“ als Wirtschaftszufahrt diente und als Schmiedegasse bezeichnet war, neu benannt. Diese Straße, die vor dem Baugeschehen in der
Karl-Marx-Straße von der Südwestecke des Marktplatzes über die Richtstraße (etwa heutige
Karl-Marx-Straße) und die
Wollenweberstraße zur Rosenstraße
(Rosengasse) führte, hieß in ihrer Länge Schmiedegasse. Lediglich das kleine Stück zwischen der Richtstraße und der
Wollenweberstraße hieß über mehr als einhundert Jahre lang Hunde-Hebel (Hunde Hübel). Zwischen Scharrn- und Richtstraße hieß sie ab Anfang des 20. Jh. Juden Straße bzw. Jüdenstraße
(Brunnenplatz). Das schließlich übriggebliebene Stückchen Schmiedegasse hatte bis zur Benennung 1999 nach dem jüdischen Arzt keine Postanschrift, keinen Hauseingang. Das kann ein Grund mit dafür gewesen sein, dass die „Schmiedegasse“ in jüngeren Stadtplänen nicht als solche aufgenommen ist.
In unmittelbarer Nähe der Straße (einst Rosenstraße) befand sich das jüdische Hospital, das nach dem Novemberpogrom 1938 der letzte Zufluchtsort der jüdischen Gemeinde war. Weiter lag in der Nähe an der
Wollenweberstraße der umfassende Synagogenkomplex.
Zur Person von Dr. Hermann Neumark:
Neumark, Hermann, Kinderarzt, geb. 03.07.1880, gest. 19.02.1947 Tel-Aviv.
N. lebte mit seiner Familie bis zum Ende des Ersten Weltkrieges in Posen. Infolge der Veränderungen nach dem Versailler-Vertrag beschloss er, nicht in Posen zu bleiben und kam mit vielen anderen, besonders jüdischen Bürgern, nach Frankfurt (Oder). N. war Kinderarzt (Approbation 1904) und wurde als leitender Arzt des städtischen Kinderheimes angenommen. Er bemühte sich um Kinder der ärmeren Frankfurter und war oft Gast bei Arbeiterfamilien. N. nahm rege am Leben der hiesigen jüdischen Gemeinde teil, wo er ein Stellvertreter des Gemeindevorstandes war. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten musste N. seine Tätigkeit im Krankenhaus aufgeben. Er führte eine Privatpraxis im Haus Wilhelmsplatz 24 (Südseite Lennè-Passagen). Während andere schon frühzeitig die Entwicklung voraussahen und Deutschland verließen, zögerte N. mit der Ausreise bis es zu spät war. 1938, wenige Wochen vor dem Novemberpogrom, konnten seine Kinder auswandern. N. selbst war dies nicht mehr möglich und er erlebte die Schreckensnacht im November 1938. Nach der Kristallnacht wurde er – gleich den anderen männlichen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde – in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Von dort gelang es ihm herauszukommen und nach Tel-Aviv zu reisen. Dort verstarb er 1947.
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