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Einleitung
Die im Mittelalter gegründeten Städte, so auch „Vrankenvorde“, woraus in den nahezu 750 Jahren seiner Stadtgeschichte die heutige Schreibweise – „Frankfurt (Oder)“ - wurde, sind in mehr oder weniger engem Anschluss an wichtige Handelswege entstanden.
Außerdem diente Frankfurt auch als Umladestelle einerseits für den Landverkehr von Schlesien, andererseits für die auf dem Wasserwege von Stettin hergebrachten Waren. So wurde dieser Ort schon frühzeitig zu einem Knotenpunkt, noch bevor die sog. Nikolaisiedlung durch die Stadtgründung stromaufwärts um das Vielfache erweitert wurde. Man kann somit sagen: Mit den alten überregionalen Handelswegen beginnend wuchs unser Gemeinwesen heran, das heute auf der westlichen Seite der Oder 528 Straßen, Wege und Plätze zählt, die amtlich benannt sind, und somit in diese Dokumentation aufgenommen wurden.
Der Grundriss der mittelalterlichen Stadt wurde von dem Lokator Gottfried von Herzberg, der mit der Gründung der Stadt beauftragt war, in Form eines regelmäßigen Vierecks angelegt, in das das Gitternetz der Straßen einvermessen wurde. Die Stadt umfasste etwa das Gebiet der heutigen Lebuser Mauerstraße im Norden, dem Lennépark im Westen und der Logenstraße im Süden sowie der Faberstraße, dem Hanewald und der Oderpromenade im Osten. Auch heute noch finden wir teilweise diese mittelalterliche Grundrissgestaltung und die Straßenführung im Siedlungsbild der modernen Stadt.
Die Gassen und deren Namen finden wir erstmals im „Türkensteur Register“ aus dem Jahre 1567.
Die Erinnerung an verschiedene Handwerksgewerbe hat sich bis heute in einigen Straßennamen erhalten, wenn auch ihre Häuser die Jahrhunderte nicht überdauerten. So gibt es noch die Wollenweberstraße , die Spornmachergasse , letztere befindet sich allerdings nicht auf dem historischen Pflaster, und die beiden Scharrnstraßen , die große und die kleine.
Prof. Johann Christoph Beckmann verdanken wir eine Festschrift zum 200. Gründungstag der „Viadrina“. Dazu hat er von seinem Kollegen L. C. Sturm im Jahre 1706 die Stadt vermessen lassen. Auf der Grundlage der „Großen und gewissen Zeichnung“ von Sturm entstand der in Kupfer gestochene „Wahre und geometrische Grundriss der Stadt...“.
Als Vorläufer des späteren Wohnungs-Anzeiger erschien 1717 „Das jetztlebende Franckfurt an der Oder, insonderheit die daselbst florirende weltberühmte Universität u. derselben Veränderung seit d.an.1706...“. Eine vage Ausschilderung von Straßen wurde jedoch erst zur Mitte des 18. Jh. vorgenommen. 1846 erschien die erste Ausgabe des schon erwähnten Frankfurter Wohnungs-Anzeigers. Hier sind die Straßen alphabetisch geordnet. Einige Ausgaben enthalten sogar Stadtpläne, die bis heute von verschiedenen Verlagen ständig aktualisiert herausgegeben werden. Als die erste Ausgabe erschien, war Frankfurt Hauptstadt eines Regierungsbezirkes, der Anschluss an die Eisenbahn (1842) war vollzogen und weitere Eisenbahnlinien waren im Bau. Diese nunmehrige verkehrsgünstige Anbindung, der industrielle Aufschwung in der 2. Hälfte des 19. Jh. und der ständige Ausbau zur Garnisonstadt ließen Frankfurt nach über 600 Jahren aus allen Nähten platzen. Industrieviertel entstanden, Wohnungen für Arbeiter und Angestellte, für Beamte, Unteroffiziere und Offiziere wurden gebaut. Die Ausdehnung erfolgte insbesondere nach Norden und Westen. Logischerweise entstanden zu dieser Zeit verhältnismäßig viele Straßen. So wuchs die Anzahl der amtlichen Straßen in den zehn Jahren von 1869 bis 1879 von 70 auf 88. Der Stadtteil Beresinchen entstand.
Als nach dem Ersten Weltkrieg, besonders ab 1922, die Wohnungsnot durch die Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten sehr groß wurde, begann sich die Stadt wiederum weit auszudehnen. Einige Beispiele seien erwähnt: Es entstand das Gebiet von der heutigen Puschkinstraße bis zum Baumschulenweg. Von der Lennéstraße aus entstand die Bebauung im Nordwesten. Hier breitete sich ein Villenviertel, das Hansaviertel aus. In den 14 Jahren von 1919/20 bis 1933 entstanden linksseitig der Oder 110 Straßen. Das sind mehr, als um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jh. überhaupt vorhanden waren.
Nach dem 2. Weltkrieg war Frankfurt eine stark zerstörte Stadt. Die Industrie war zum Erliegen gekommen. Frankfurt (Oder) war Grenzstadt geworden. Der Stadtteil Dammvorstadt – östlich der Oder gelegen – wurde polnisch.
Mit dem Wohnungsbau in der Bahnhofstraße begann Anfang der 50er Jahre der Neuaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders nach Beginn der Halbleiterfertigung 1958, die die Stadt auch bevölkerungsmäßig weiter anwachsen ließ, wurde durch den verstärkten Wohnungsneubau die Ausdehnung Frankfurts vorangetrieben. 1961 begann die Bebauung des Winzerrings. Das westlich benachbarte „Kosmonautenviertel“ folgte 1969, Frankfurt-Nord und Halbe Stadt schließlich 1970. Im Südwesten der Stadt entstand ab 1976/77 mit vielen neuen Straßen der Stadtteil Neuberesinchen für ca. 25.000 Einwohner.
Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurden wie in der politischen Wendezeit Anfang der 30er Jahre des 20. Jh. und nach dem 2. Weltkrieg, etliche Straßen umbenannt. Wiederum sind neue Straßen angelegt worden, fast ausnahmslos als Erschließungsstraßen in den Wohn- und Gewerbeparks. Die Bevölkerung in den ländlichen Ortsteilen, in denen vor allem Wohnparks entstanden, nahm zu. Apropos ländliche Ortsteile: Als die Stadt im 14. Jh. vermögend war, kaufte sie zahlreiche Dörfer auf. Städtische Kämmereidörfer waren damals linksseitig der Oder: Booßen und Kliestow.
Auch heute finden wir diese und weitere Orte im Stadtgebiet, die durch Eingemeindungen Frankfurt zugeordnet wurden. 1947: Güldendorf (bis Ende 1937 Tzschetzschnow ), Kliestow, Lichtenberg, Markendorf, Rosengarten. 1973: Hohenwalde und Lossow. Mit der Eingemeindung von Booßen im Jahre 1973 erreichte Frankfurt (Oder) seine heutige Größe.
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